1975 – Das Jahr der Frau (WDR-Reihe: Unser Land – Die 70er)

Bildschirmfoto 2017-09-05 um 11.16.461975 – Halbzeit in diesem bewegten Jahrzehnt. Und: ein Jahr starker Frauen. Kein Wunder, es war ja auch das internationale Jahr der Frau. Zum ersten Mal, ausgerufen von der UNO.

Der sechste Film in der zehnteiligen WDR-Reihe über das Lebensgefühl der 70er in NRW legt den Schwerpunkt auf Frauen und ihre Geschichten. Frauen wie die Bonner Studentin Florence Hervé, die sich demonstrierend einmischten, weil sie nicht einsehen wollten, dass sich – anders als in ihrer französischen Heimat – Familie und Beruf für Frauen in Deutschland ausschließen sollten.

Andere Frauen machten 1975 einfach „ihr Ding“, wie es damals hieß: Die Schülerin Vera Brandes landete einen Coup, und lockte den weltberühmten Jazz-Pianisten Keith Jarrett zu einem Konzert in die Kölner Oper. Fast hätte es nicht stattgefunden, weil der versprochene Konzertflügel nicht zur Verfügung stand, und weil beim völlig verstimmten Ersatzklavier die Tasten klemmten. IMG_8052Wie die junge Vera Brandes den Majestro doch noch überredete zu spielen, und wie daraus eine der erfolgreichsten Jazzplatten aller Zeiten wurde, das hat sie Doku-Autor Martin Herzog am Ort des Geschehens erzählt. Für sie wurde die Kölner Oper zum Schicksalsort, und 1975 zum Schicksalsjahr, das ihr weiteres Leben bestimmen sollte.

Noch einschneidender wurde dieses Jahr für die 14-Jäjhrige Tu Phuong Le, die im Frühjahr 1975 am Flughafen Köln-Bonn ankam. Ziel war das Friedensdorf in Oberhausen, das seit Ende der 60er kriegsversehrte Kinder aus Vietnam aufnahm, 20170503_171012sie medizinisch versorgte und notwendige Operationen und Physiotherapie übernahm. Ein halbes Jahr lang sollte auch Phuong dort bleiben, und danach nach Saigon zu ihrer Familie zurück kehren. Doch kaum war sie in Oberhausen angekommen, ging der Vietnamkrieg zu Ende und die neue Regierung verweigerte Phuong und 100 anderen Kindern die Rückkehr in ihre Heimat. Sie waren in NRW gestrandet, und mussten fürchten, ihre Familien niemals wieder zu sehen.

Deutlich weniger dramatisch ging es bei den Landtagswahlen zu: drei Parteien, und wie immer gewinnt die SPD. Ministerpräsident Kuhn kann weiter regieren, mit Hilfe der Liberalen. Die FDP schickt Burkhard Hirsch nach Düsseldorf. Als NRW-Innenminister darf er sich fortan um die Problemfälle der lange geplanten kommunalen Gebietsreform herumschlagen, die 1975 umgesetzt wird. Eine ganze Reihe Städte und Gemeinden im ganzen Land wehren sich gegen ihre zwangsweise Zusammenlegung oder Zerschlagung: Das rheinische Wesseling will nicht zu Köln gehören, das niederrheinische Meerbusch wehrt sich dagegen, zwischen Krefeld und Düsseldorf aufgeteilt zu werden, und im Ruhrgebiet hadert Kettwig mit seiner neuen Zugehörigkeit zu Essen.

Viel zu tun in NRW, zumal die Wirtschaft strauchelt und die Arbeitslosigkeit steigt, wofür viele die zweieinhalb Millionen „Gastarbeiter“ im Land verantwortlich machen. Nachdem man jahrzehntelang zehntausende ins Land gelockt hat, will man sie nun am liebsten ganz schnell wieder los werden. Doch die werden selbstbewusster: „Wir sind noch da!“ lautet das Motto des ersten Ausländerkongresses in der Bundesrepublik in Bochum bei dem zeigen Italiener, Portugiesen, Griechen und Türken Flagge zeigen.

Bildschirmfoto 2017-09-05 um 11.14.16.pngAber es ist nicht alles trüb 1975: Bei den ersten Weltmeisterschaften im Formationsspringen im münsterländischen Warendorf zeigt die deutsche Nationalmannschaft aus Remscheid, was sie kann; der Scout-Schulranzen kommt bei NRWs I-Dötzen (muss das jetzt eigenltich iDötze heißen?) ganz groß raus, und beim Bundeswettbewerb Vorbildliche Autofahrerin“ gewinnt eine junge Studentin aus Leverkusen – wenn das nicht mal ein Erfolg ist im Jahr der Frau…

Erzählt wird der Film über das Jahr der Frau – natürlich von einem Mann. Lutz van der Horst steht Pate für 1975. Der Comedian und berüchtigte Außenreporter der Heute Show kam im August des Jahres in Köln zur Welt, am Ende einer wochenlangen Hitzewelle im Westen Deutschlands – und das, wo er doch, wie seine Mutter und seine gesamte Familie auch, heißes Wetter nicht ausstehen kann. Aber immerhin ist Papa zur Stelle mit der neu erworbenen Super-8-Kamera und gibt einen Vorgeschmack auf die spätere Bildschirmkarriere seines Sprösslings.

1975 – Das Jahr der Frau, in der Reihe Unser Land – Die 70er, ein Film von Martin Herzog WDR Fernsehen, Freitag, 15. September 2017, um 20.15 Uhr

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WDR.DOK – Ausgerechnet Holland!

In einer Woche wird in den Niederlanden gewählt – und der Populist Geert Wilders hat Chancen, die meisten Sitze im Parlament zu bekommen. Holland – war das nicht mal die weltoffene, tolerante Nation von Nebenan? Das scheint lange her, Populismus ist kein neues Phänomen: Vor Wilders gab es schon mal einen, Pim Fortuyn. Der machte mit seinen islamfeindlichen Parolen 2001 Furore. Dennoch: Wie konnten gerade hier Populisten so erfolgreich werden? Diese Frage stellt sich die Dokumentation von Peter Wollring und Martin Herzog.

03 Amsterdam GrachtenviertelEuropa rückt nach rechts. Der Aufstieg populistischer Parteien und die Angst davor bestimmt die politische Diskussion. Ausgerechnet bei unserem direkten Nachbarn den Niederlanden finden die nächsten Parlamentswahlen statt und hier hat der Rechtspopulist Geert Wilders sogar Chancen, der nächste Ministerpräsident zu werden.
Ausgerechnet Holland! Warum hat sich gerade hier ein solches Klima entwickelt? Jahrzehntelang galt das Land an der Nordsee als liberaler Leuchtturm – modern, aufgeschlossen und tolerant, international ausgerichtet und weltläufig. Doch Aus-länderfeindlichkeit und Anti-EU-Stimmen sind inzwischen so normal, wie es noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war, auch für viele Niederländer. Die Stimmung in der Gesellschaft ist rauer geworden, der Umgangston schriller.
Die Dokumentation sucht nach den Ursachen für die größte Umwälzung in der niederländischen Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg.
Damals sind die Niederlande ein ‚versäultes‘ Land. Man lebt im eigenen katholischen, protestantischen, liberalen oder sozialdemokratischen Milieu. Es gibt katholische Gewerkschaften, protestantische Sportvereine, sozialistische Chöre, liberale Schachvereine. Katholische Pudel werden im katholischen Tiersalon getrimmt. Da aber keine dieser Säulen stark genug ist für eine Mehrheit, müssen sich die politischen Eliten zusammenraufen. Durch diesen Zwang zur pragmatischen Zusammenarbeit – sonntags beschimpft man sich, montags koaliert man – bleibt das politi-sche System über Jahrzehnte äußerst stabil.
09 Interview mit Ex-Premier Wim KokDas ändert sich in den 60ern. Das strukturell konservative, stark christlich geprägte Land öffnet sich – zumindest dem Gesetz nach, und im Selbstbild vieler Niederländer. Toleranz bei Drogenkonsum und Prostitution, Homosexuellenrechte, Schwan-gerschaftsabbruch und später bei der Sterbehilfe machen die Niederlande zum wohl liberalsten Land der Welt. Auch die vielen Einwanderer werden geduldet, so-lange sie unter sich bleiben und keinen Ärger machen. Man gibt sich gern offen, am liebsten aber dann, wenn man selbst nicht betroffen ist. Die angebliche Toleranz ist oft nur Gleichgültigkeit.
Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes richtet sich der Blick vieler Holländer immer stärker auf das eigene Land. Bei Wahlen entwickeln sich die Niederländer zum Volk mit der geringsten Wählerbindung in Europa. Und auch der unbedingte Wille zur Zusammenarbeit wird in Frage gestellt.
Der dramatische Wendepunkt kommt mit der Ermordung Pim Fortuyns im Jahr 2002 und dem politischen Erdbeben, das darauf folgt. Mit dem ersten erfolgreichen Rechtspopulisten der Niederlande wird ein Kompromissmodell zu Grabe getragen. Inzwischen haben die Niederlande eines der rigidesten Ausländergesetze Europas und vom Vorreiter der europäischen Einigung sind sie zum einem der größten Bremser geworden. Holland ist die nächste Schicksalswahl in Europa. Im Mai folgt Frankreich. Beide Wahlen gelten als Stimmungsbarometer für die Bundestagswahl in Deutschland am 24. September.
WDR.DOK zeigt die Entwicklung in unserem Nachbarland und redet mit Zeitzeugen über die Jahre vor und nach 2002.

WDR.DOK Ausgerechnet Holland! Warum die Populisten so erfolgreich wurden. Ein Film von Peter Wollring und Martin Herzog, Mittwoch, 8. März 2017, 22:55 Uhr WDR Fernsehen.

Das englische Satiremagazin ‚Punch‘ erscheint erstmals (am 17.07.1841)

Es ist die wohl berühmteste Karikatur der deutschen Geschichte: Otto von Bismarck verlässt das Staatsschiff, gleichgültig beobachtet von Wilhelm II., der seinen altgedienten Reichskanzler gerade endroppingthepilottlassen hat. Unterzeile: Der Lotse geht von Bord.

Heute ist es in jedem Schulbuch zu finden. Auch der karikierte Kaiser hielt das Werk für äußerst gelungen, als es 1891 erstmals im Punch erschien. Der deutsche Monarch gehörte zu den eifrigsten Lesern des englischen Satiremagazins.

Seinen Untertanen mochte er den Spott von der Insel allerdings nicht zumuten. Während er selbst jede Ausgabe druckfrisch aus London erhielt – heimlich per Diplomatenpost – ließ er etliche Ausgaben in Deutschland zensieren, wenn die Karikaturisten des Punch sich mal wieder über ihn lustig machten.

1841 gegründet, waren die brillanten Texte und bösen Karikaturen des Punch bald ebenso geliebt (in Großbritannien) wie gehasst (in Deutschland). Anders als andere Satiremagazine der Viktorianischen Zeit, war es kein billiges Witzblatt. Zu seinen Autoren gehörten Literaten wie William M. Thackeray (‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘), Alan Alexander Milne (‚Pu der Bär‘) und Illustratoren wie John Tenniel, berühmt durch seine Bebilderung von ‚Alice im Wunderland‘. Der Punch setzte Satire-Standards, nicht nur, indem er den Begriff ‚Cartoon‘ etablierte.
Das Zeitzeichen ist in der  WDR-Mediathek  zu haben – als Stream oder Download.

 

 

Schuld und Schulden – Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland

Manolis Glezos ist Kommunist. Und Volksheld. Vor 75 Jahren hat er die Hakenkreuzfahne von der Akropolis herunter gerissen, wenige Tage, nachdem die Wehrmacht in Athen einmarschiert war. „Dafür haben sie uns in Abwesenheit zum Tode verurteilt“, erinnert sich der 93-Jährige.

16 Nationalheld Manolis Glezos 04Für die Griechen wurde er damals zum Volkshelden. Seine Forderungen blieben trotzdem Jahrzehntelang unbeachtet: Wiedergutmachung. Weder in Deutschland noch in Griechenland interessierte sich jemand für die Reparationsfrage. Doch das hat sich geändert. In der aktuellen Schuldenmisere fragt nicht nur das Syriza-Mitglied Glezos: Wer schuldet hier eigentlich wem etwas?

Die Summe, um die es geht, ist beträchtlich: 278,7 Milliarden Euro. Mindestens. Zu diesem Ergebnis kam eine Regierungs-Kommission, eingesetzt auf Drängen von Freiheitskämpfer Glezos. Zwei Jahre lang durchstöberte sie die Nachkriegsbilanzen griechischer Ministerien: Wie viele Straßen sind damals zerstört worden, Häfen, Bahnhöfe, Eisenbahnbrücken? Wie viele Häuser wurden beschlagnahmt, LKW, Fabrikanlagen? Wie heftig wurde die Wirtschaft geplündert, Tabak, Oliven, Chrom, Mangan? Das ist nur die materielle Seite. Nicht eingerechnet sind die menschlichen Opfer, die über 100.000 Hungertoten, die über 50.000 ermordeten Juden, die zehntausenden toten Zivilisten im Partisanen-Krieg. Kommissionsleiter Panagiotis Karakoussis sagt: „Die heutigen Deutschen können nichts für ihre Vergangenheit, aber bis heute bezahlen wir Griechen für die Sünden ihrer Großeltern.“

01 Kriegsopfer Panagiotis Tsangas 01

Bezeugen kann das nicht nur Widerstandskämpfer Glezos. Im Norden Griechenlands läuft Panagiotis Tsangas über eine Wiese und deutet mit seinem Gehstock auf ein paar Mauerreste: Das war mal die Schule, hier war der Dorfplatz. Er ist der einzige aus dem Dorf Nea Kerdylia, der sich noch an den Tag vor 75 Jahren erinnern kann. Damals, als die Deutschen kamen und alle Männer erschossen, weil aus den Bergen heraus Partisanen operierten. Er selbst entkam dem Mordkommando, weil er dem Kommandanten glaubhaft versichern konnte, dass er erst 14 Jahre alt war. 19.000 Drachmen bekam er Anfang der 60er Jahre als Entschädigung aus einem deutsch-griechischen Vertrag, damals etwa zwei deutsche Facharbeiterlöhne dafür, dass er ohne Vater aufwuchs, und wie die meisten Dorfkinder fast ohne Schulbildung und ohne Berufsaussichten.

Auch Heinz Kounio erhielt 19.000 Drachmen. Er steht am alten Bahnhof in Thessaloniki neben Frachtwagen. Ja, genauso hätten sie damals auch ausgesehen, sagt er, die Viehwaggons, in die man sie gepfercht und dann nach Auschwitz geschickt hat. Vorher bekamen sie noch Fahrkarten ausgehändigt. Die jüdische Gemeinde Thessaloniki hatte sie kaufen müssen: 2 Pfennig pro Kopf und Kilometer verlangte die Deutsche Reichsbahn für die Tickets in den Tod. Kounio ist einer der wenigen, die überlebt haben. Von den 46.000 Juden Thessalonikis kehrten nur 1000 zurück.

07 Auschwitz-Rückehrer Heinz Kounio 03.png

Jetzt verlangt die jüdische Gemeinde wenigstens das Geld für die Tickets zurück, auf heutige Werte umgerechnet insgesamt 89 Millionen Euro. Die Deutsche Regierung aber schweigt beharrlich und verweist auf den Vertrag von 1960, mit dem alles abschließend geregelt sei.

Diese Verweigerungshaltung hat eine unselige Tradition: Seit dem Zweiten Weltkrieg taten deutsche Regierungen alles, um das leidige Thema zu umgehen. Und wenn es sich nicht vermeiden ließ, waren sie in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, wie das Beispiel Max Merten zeigt, einem in Griechenland verurteilten Kriegsverbrecher, den Konrad Adenauer persönlich freipresste. Max Merten war verantwortlich für die Entrechtung, Enteignung und Deportation der Juden Thessalonikis. Nach seiner Abschiebung Richtung Deutschland kam der Vertrag zustande, aus dem Heinz Kounio und Panagiotis Tsangas ihre bescheidene Entschädigungszahlung erhielten.

die story, Mittwoch, 27.4.2016 um 22:10 Uhr im WDR Fernsehen

Das Zeitzeichen zur deutschen Besetzung Griechenlands gibt es hier, den Stichtag hier

Die Kultursendung Resonanzen auf WDR 3 brachte am Vortag ein Studiogespräch zum Thema

Zeitzeichen: 17.01.1811 – Geburtstag von Joshua Norton, dem Kaiser der USA

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Kaiser Joshua Norton I. in vollem Amtsornat, (c) Wikipedia

Was haben es Monarchien gut: Sie können mit Kaisern und Königen glänzen. Da sind Republiken wie unsere arm dran. Ja, sicher, wir haben einen Bundespräsidenten. Aber was ist das im Vergleich zur britischen Königsfamilie? Doch damit muss sie leben, die Republik. Es ist der Preis, den wir für die Abschaffung der Adelsherrschaft bezahlen. In der Geschichte gibt es nur eine Republik, die sich mit einen Kaiser schmücken konnte: die Vereinigten Staaten von Amerika.

Sein kaiserlicher Säbel blieb meistens zuhause. Ansonsten ließen Majestät es sich nicht nehmen, in Paradeuniform durch die Straßen San Franciscos einherzuschreiten: blaue Hose und Gehrock mit goldenen Epauletten, Biberfellzylinder mit Straußenfeder und Rosette. Solcherart angetan und begleitet von seinen beiden treuen Hunden beliebte er die regelmäßigen Inspektionen der Cable Cars, Gehwege und öffentlichen Bauten vorzunehmen, während Polizeistreifen vor dem Monarchen ehrfurchtsvoll salutierten.

„Norton I., Kaiser der Vereinigten Staaten von Amerika und Schutzherr Mexikos“ wurde nach seiner Selbstproklamation 1859 zu einer amerikanischen Institution: Er erließ ein Dekret zur Auflösung des amerikanischen Kongresses, welchem die Volksvertreter zur großen Verärgerung seiner Majestät nicht Folge leisteten. Theateraufführungen und Konzerte galten als nicht komplett, wenn Majestät sich nicht die Ehre gaben.

Seine kaiserliche Regierung gab Geldscheine aus, und feine Restaurants, in denen er speiste und niemals bezahlte, brachten am Eingang Bronzeplaketten an, in denen darauf hingewiesen wurde, das Etablissement stehe „im Dienste seiner kaiserlichen Majestät“.

Als Norton I. 1880 starb, folgten zehntausende seinem Sarg. Einen Thronfolger jedoch hat er nicht hinterlassen.

Zum Audio-Stream/Podcast geht’s hier.

Zeitzeichen: 29. Oktober 1795 – Der Londoner Mob attackiert die Staatskarosse von George III.

The-Republican-Attack(1795)Absolutely Outrageous! Die Londoner Gesellschaft ist erschüttert. Ein Anschlag auf das Leben seiner Majestät! Und das auf dem Weg zur Parlamentseröffnung 1795. His Majesty sind mit einem Schrecken davongekommen, seine Kutsche dagegen haben die Demonstranten zerlegt.
Schon am Morgen hatten sich hunderttausende entlang des Weges eingefunden. Doch anders als sonst, zeigte sich die Menge nicht freudig erregt, sondern seltsam ruhig. Als die Kutsche von George III. ihren Weg bahnte, erschollen die ersten Rufe nach bezahlbarem Brot und dem Ende des Krieges mit Frankreich. Vereinzelt waren sogar Rufe zu hören wie „nieder mit George!“ und „König ohne Kopf!“ Irgendwann flogen nicht nur Parolen, sondern auch Geschosse: Unrat, Steine und schließlich gar eine Kugel, wie ein kreisrundes Loch im Seitenfenster der Kutsche zeugt. Die Londoner Times weiß gleich, wer dahinter stecken muss, nämlich die „gleichen Aufrührer (…), die in jüngster Zeit regelmäßig versucht haben, den öffentlichen Frieden zu stören.“ Klar, wer damit gemeint ist: die Mitglieder der notorischen London Corresponding Society. Wenige Tage zuvor hatten ihre Redner bei einer Veranstaltung vor 200.000 Zuhörern mit dem Ruf nach Brot, Frieden und gleichem Wahlrecht die Massen aufgebracht.

(29.10.2015, Zeitzeichen – 29. Oktober 1795 – Der Londoner Mob attackiert die Staatskarosse von George III.)

Hier ein Zeit-Artikel von 2014 zu diesem Thema

 

Zeitzeichen: 9. Oktober 1890 – Der erste Flugversuch von Clément Ader

IMG_2928In jedem Schulbuch steht es zu lesen: Wilbur und Orville Wright waren die ersten. Doch bis heute gibt es Anhänger von Flugpionieren, die diese Ehre für ihre Idole einfordern: Fans des Deutschen Karl Jatho zum Beispiel, oder des Deutsch-Amerikaners Gustav Whitehead alias Weißkopf. Bereits Monate vor den Wright-Brüdern seien sie motorisiert in die Luft aufgestiegen, wird behauptet. Und dann gibt es da noch diesen Franzosen.

Nicht wenige Monate, sondern ganze 13 Jahre soll der Erfinder Clément Ader seiner Konkurrenz voraus gewesen sein, mit einer Flugmaschine, die einer Fledermaus nachempfunden ist: Am 9. Oktober 1890 habe sich Aders Éole aus eigener Kraft 20 Zentimeter hoch vom Boden erhoben und sei einige Dutzend Meter weit geschwebt, so wird berichtet. Die Franzosen verehren ihn deshalb als „Vater der Luftfahrt“. Der technische Tausendsassa erfand auch das Wort Aviation, den internationalen Begriff für Luftfahrt. Bis heute aber bleibt die Frage, ob ihm die Ehre des ersten motorbetriebenen Fluges gebührt. Denn ist ‚Abheben‘ auch gleich schon ‚fliegen‘? Steuerbar war seine Èole jedenfalls nicht.

(9.10.2015, Hier geht es zum Podcast: Zeitzeichen – 9. Oktober 1890 – Der erste Flugversuch von Clément Ader)